
Chickenshit. Man kann nicht einfach paar leckere Dinge in einen Topf werfen, aufkochen und glauben, es käme was Schmackhaftes dabei heraus. Beispiel? Rumpsteak, Schokoladeneis und Gin Tonic. Man kann auch nicht ein paar Zutaten, von denen man nur glaubt, sie wären toll, in eine Pfanne werfen, anbraten und hoffen, es käme etwas Gescheites dabei heraus. Beispiel? Nicolas Cage, Aliens und Alex Proyas. Wie mag es dann erst aussehen bei drei Typen, von denen jeder weiß, dass sie überschätzt werden?
Diese Frage bringt uns zu Joe Satriani, Sammy Hagar und Chad Smith. Oder kurz: Chickenfoot. Kein Scherz, die heißen wirklich so. Clawfinger und The Byrds sind schließlich schon belegt. Ein vermeintlicher Gitarrengott, der ehemalige Sänger einer ehemals – und zu ihrer Zeit völlig zu Recht – erfolgreichen 80er-Hardrock-Gruppe und der überschätzte Schlagzeuger einer überschätzten Funkrock-Band haben sich also zu einer so genannten Supergroup zusammengefunden. Und als Sahnehäubchen gibt’s auch noch den ehemaligen Van-Halen-Bassisten Michael Anthony obendrauf.
Kommen wir zum Inhalt. Schon die Songtitel lassen wahlweise auf Belanglosigkeiten oder Peinlichkeiten schließen: Oh Yeah, Sexy Little Thing, My Kinda Girl oder die Trilogie aus Runnin’ Out, Get It Up und Down The Drain sprechen für sich. Nun ja, der Rock’n’Roll war schon immer einfach gestrickt.
Und dann hat man den Play-Knopf gedrückt und Satriani legt gleich mal los: Furchtbare Tapping-Fingerpicking-das-Griffbrett-rauf-und-runter-Soli reihen sind an Riffs, die Axl Rose wahrscheinlich beim Aufnehmen von Chinese Democracy verworfen hat. Dazu schreit und singt Sammy Hagar und versucht mit sich überschlagender Stimme, doch bitte ein wenig nach Robert Plant zu klingen. Leider vergeblich. So wälzt sich Avenida Revolution quälend langsam aus den Boxen. Und das war erst der Anfang einer knappen Stunde Musik, die ständig zwischen Langeweile, Fremdschämen und Brechreiz oszilliert.
Dass es immer noch weiter abwärts geht, beweist Sexy Little Thing mit eingeworfenen Kastraten-Uhs, einem Text zwischen „sticky fingers“, „wild honey“ und „tail leather“ und schlecht bei Jimmy Page geklauten Gitarren. Letzteres ist ein Motiv, das sich einfach nur noch unverschämt durch das ganze Album zieht, auch wenn Satriani mit dem Einsatz von einigen Effektgeräten einen leidlich erfolgreichen Vertuschungsversuch unternimmt.
Satriani gniedelt sich also durch die stets belangloser werdenden Songs, erfreut sich zwischendurch immer häufiger an seinen eigenen Soli, während Chad Smith im Hintergrund den immer selben Beat in den Variationen Langsam, Mittellangsam und Mittelschnell spielt und Sammy Hagar Dinge von sich gibt wie „I’m running out of sex“, „we can change the world“, „some things are better left in the closet“ oder „if I were water I'd make you real /I'd want to touch you all night long on my spinning wheel”. Der einzige Song, bei dem sich all das zu einem gefälligen Ganzen zusammenfügt, ist Down The Drain, bei dem sich die Gitarren fast schon doom-artig durch den Verstärker zwängen und die Band es schafft, trotz der langsamen Geschwindigkeit nicht in eine schmalzige Balladenroutine zu verfallen. Der Rest ist düster, ganz düster. Insbesondere Turnin' Left mit seiner ausufernden Solo-Orgie und das abschließende Future In The Past, für das Led Zeppelin diese Band ernsthaft verklagen sollten: „saving the best for last“, na klar. Hühnerkacke! 2/10
Anspieltipp: Down The Drain



















